Das eigene Business neben dem Hauptjob in der Festanstellung aufzubauen ist die gängiste und auch sicherste Art in die Selbstständigkeit zu starten.

Es gibt hierbei einiges zu beachten und ich möchte Dir alles Wichtige dazu näher erläutern.

Zunächst möchte ich Dir vorher für die nachfolgenden Infos 3 Begriffe erklären:

1. Freie Berufe (Regelung nach § 18 EStG)
Selbstständige eines freien Berufs müssen keine Gewerbeanmeldung vornehmen. Zu diesen Berufen gehören selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten, sowie Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnliche Berufe.

2. Das Nebengewerbe
Dies ist dann gegeben, wenn Du gewerbepflichtig bist, sprich, keinen freien Beruf ausübst und für Dein Gewerbe weniger Arbeitszeit aufwendest als in Deinem Hauptjob bzw. der Festanstellung.

Wichtig: Dem Finanzamt ist die Stundenanzahl egal, der Krankenversicherung nicht. Wenn Du mehr als 18 Stunden pro Woche für Dein Nebengewerbe arbeitest, musst Du zusätzlich Krankenversicherungsbeiträge zu den KV-Beiträgen aus Deiner Festanstellung zahlen, da die Krankenkasse ein Gewerbe mit mehr als 18 Stunden Arbeitszeit pro Woche nicht mehr als Nebengewerbe, sondern als Hauptgewerbe betrachtet. Sie prüft die Stundenanzahl jedoch nicht nach, wie soll sie das auch tun..?

3. Die Nebentätigkeit
Dies ist eine Arbeit, die keine Gewerbeanmeldung erfordert und nebenberuflich ausgeübt wird (normaler Nebenjob oder Nebenjob in einem freien Beruf).

Was Du tun musst, wenn Du Dein Business parallel neben Deinem Job aufbauen willst

Als erstes meldest Du beim Gewerbeamt oder ähnlichem Amt in Deiner Stadt Dein Gewerbe an (freie Berufe ausgeschlossen). Hier solltest Du zwar genau, aber nicht zu detailliert die Art Deines Gewerbes eintragen, damit Du hier später noch Spielraum hast, wenn Du Dein Business etwas erweitern möchtest. Hier spielt es keine Rolle, ob Du ein Hauptgewerbe oder ein Nebengewerbe anmeldest. Schreib einfach Deine Gewerbeart rein. Das Amt wird dafür etwas berechnen, die Gewerbeanmeldung kostet von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Hier findest Du eine Übersicht. In den meisten Städten kannst Du die Gewerbeanmeldung online durchführen.

Deinen Arbeitgeber informieren?

Musst Du nicht, es ist eine freiwillige Info von Dir. Wenn sich Dein Business jedoch mit dem Deines Arbeitgebers ähnelt oder beides die gleiche Branche ist, solltest Du ihn informieren, bevor er es von Anderen erfährt. Das ist einfach besser so. Wenn es das gleiche Geschäftsmodell ist, Du quasi mit Deinem Business eine Konkurrenz zu Deinem Arbeitgeber darstellst, kann er es verbieten, muss aber nicht sein. In dem Fall würde ich mit ihm über Deine Pläne sprechen, bevor Du anfängst Dein Business aufzubauen.

Kein Arbeitsvertrag kann Dir generell eine Nebenbeschäftigung verbieten. Es ist ein Grundrecht jedes Deutschen, selbst zu entscheiden, was er beruflich machen möchte. Nur wenn Du, wie geschrieben, ein Konkurrenzunternehmen auf machst, hat Dein Arbeitgeber das Recht, Dir das zu untersagen.

Steuern auf Einkünfte über das Nebengewerbe

Auch hier musst Du Steuern zahlen. Die Einkünfte aus Deinem Nebengewerbe werden zu Deinen Einkünften aus der Festanstellung addiert. Da Dein Arbeitgeber für Dich die Zahlung der Sozialleistungen übernimmt, bleiben am Ende nur die Steuern für Deine Nebengewerbeeinkünfte übrig. Wie hoch diese sind, hängt von der Gesamtsumme Deiner Einkünfte ab. Wirf mal einen Blick in die Einkommensteuertabelle, dort sind alle Steuerbeträge aufgeführt. Hier musst Du dann Deine bereits gezahlten Steuern durch Deinen Arbeitgeber abziehen und erhältst dann den Endbetrag.

Vorsteuer und Umsatzsteuer (umgspr. Mehrwertsteuer)

Wenn Du nicht als Kleinunternehmer geführt bist (Dein Jahresumsatz darf nicht höher als 17.500 Euro sein und im Folgejahr nicht höher als 50.000 Euro), bist Du umsatzsteuerpflichtig. Das bedeutet, dass Du in Deinen Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen/berechnen musst. Die Rechnungen, die Du erhältst, enthalten ebenfalls Umsatzsteuer, nur nennt man sie in diesem Fall Vorsteuer.

Merke:
Die Mehrwertsteuer heißt Umsatzsteuer wenn Du Rechnungen schreibst.
Die Mehrwertsteuer heißt Vorsteuer wenn Du Rechnungen bekommst.

Die beiden unterschiedlichen Begriffe kommen daher, dass Du entweder monatlich oder quartalsweise eine Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt abgeben musst. Denn die Steuer von aktuell 19% oder 7% (nur bei urheberrechtlich geschützter Ware, wie Literatur, Grafik, Text etc.) ist nur für den Staat. Wenn Du Rechnungen erhältst, zahlst Du immer den Bruttobetrag, also die Rechnungssumme + 19% oder 7%. Die Höhe, die dieser Prozentsatz ausmacht, bekommst Du vom Finanzamt wieder. Wenn Du aber auch Umsätze einnimmst und Rechnungen schreibst, bekommst Du von Deinem Kunden ebenfalls den Bruttobetrag. Diesen Steuerbetrag musst Du an das Finanzamt weitergeben. Die Umsatzsteuervoranmeldung dient dazu, Deine eigenommene Umsatzsteuer und Deine gezahlte Vorsteuer gegen zu rechnen. Den Differenzbetrag musst Du entweder an das Finanzamt zahlen (wenn die Umsatzsteuerbeträge höher waren als die Vorsteuerbeträge) oder Du bekommst die Differenz vom Finanzamt überwiesen.

Um diese Voranmeldung machen zu können, musst Du das Programm Elster vom Finanzamt nutzen. Hier trägst Du, neben Deinen persönlichen Daten und Deiner Steuernummer, die Summe beider Steuerbeträge ein, am Ende steht der Betrag, den Du zahlen musst oder vom Finanzamt erhältst, danach sendest Du die Anmeldung online ab.

Für Windowsnutzer gibt es Elster als Offline-Programm zum Download, für Mac-Nutzer gibt es nur die Möglichkeit des Elster Onlineportals. Bei beiden brauchst Du eine PIN, die Dir vom Amt per Post geschickt wird. Es dauert also ein paar Tage, bis Du Elster richtig nutzen kannst.

Belege musst Du für die Voranmeldung nicht einreichen, dies machst Du dann im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung.

Kosten des Nebengewerbe absetzen

Du kannst alle Kosten, die mit Deinem Nebengewerbe zu tun haben, von der Steuer absetzen. Darunter fällt alles mögliche, wie Laptop, PC, Büromaterial, Telefon, Handy, Reisekosten, Sprit, Bewirtung, besuchte Events uvm. Wichtig ist, dass diese Ausgaben Deinem Nebengewerbe zugeordnet werden können. Hebe auf jeden Fall alle Belege auf und reiche sie bei der Einkommensteuererklärung mit ein.

Nebengewerbe und Buchführung

Mit der Buchführung hält es jeder anders. Ich empfehle Dir, sofort damit zu beginnen, denn irgendwann musst Du es sowieso tun.

Ich habe 2 Ordner. Einer enthält alle Rechnungen und Belege zu meinen Ausgaben für jeden Monat. Der Andere enthält all meine geschriebenen Rechnungen, auch sortiert nach Monat. Heutzutage bekommt man fast alle Rechnungen online oder per Mail, auch ich sende keine Rechnungen per Post. Aber ich drucke immer alles aus und packe es in den jeweiligen Ordner. Das erspart mir viel Zeit, wenn die jährliche Einkommensteuererklärung ansteht.

Es ist nicht so aufwendig, gerade am Anfang hast Du nicht viel. Deshalb gewöhne Dir das an von Beginn an. Du wirst es Dir danken, glaub mir.

Ein Tipp: solltest Du einen Steuerberater haben, kannst Du natürlich auch seine Rechnung zu 100% von der Steuer absetzen.

Merke: alle Kosten, die für Dein Nebengewerbe zustande kamen, kannst Du absetzen. Beim Handy würde ich 50% nehmen, weil Du dieses bereits vor Deinem Gewerbe hattest und es auch privat nutzt. Außer Du hast 2 (privat und beruflich). Mit dem Internet daheim schaut es auch so aus, 50/50.

Home Office steuerlich absetzen

Das ist möglich. Dazu empfehle ich Dir meinen Artikel „Home Office von der Steuer absetzen“ Dort steht alles, was zu dazu wissen musst.

Gewerbesteuer

Diese muss jeder Gewerbetreibende, ob Haupt- oder Nebengewerbe, zahlen, dessen Firma oder Gewerbebetrieb eine Kapitalgesellschaft, Personengesellschaft oder Einzelunternehmen ist. Die Höhe der Gewerbesteuer hängt von Deiner Stadt oder Gemeinde und Deinem Gewinn durch das Gewerbe ab.

Die Gewerbesteuer setzt sich zusammen aus:

Beispiel: Du hast 20.000 Euro Gewinn. Davon werden 3,5% genommen, das sind 700 Euro. Diese 700 Euro sind der Steuermessbetrag, dieser wird mit dem Hebesatz Deiner Gemeinde oder Stadt multipliziert. In Hannover sind es 460%, sprich 700 x 460% = 3.220 Euro Gewerbesteuer. Ein ganz schöner Batzen.

Glücklicherweise gibt es für Personengesellschaften den Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro. Zu den Personengesellschaften gehören die Rechtsformen

  • Einzelunternehmen
  • GbR
  • OHG
  • KG oder GmbH & Co. KG
  • Partnerschaftsgesellschaften

Wenn Du also 30.000 Euro Gewinn gemacht hast, werden die 24.500 von Deinem Gewerbeertrag abgezogen.

Beispiel:
30.000 – 24.500 = 5.500
5.500 * 3,5% = 192,50
192,50 * 460% = 885,50

So müsstest Du als Hannoveraner von Deinem 30.000 Euro Gewinn 885,50 Euro Gewerbesteuer an Deine Gemeinde zahlen.

Trotz Nebengewerbe Firma gründen

Wenn Du Dein Gewerbe anmeldest, musst Du auch angeben, welche Rechtsform dahinter steht. Die meisten wählen das Einzelunternehmen. Ab 2 Personen ist das Pondon dazu die GbR. Die OHG ist ähnlich der GbR, nur von Umsatz und Umfang größer.

Eine UG kann man schon ab 1 Euro Stammkapital gründen. Ob für Dich eine UG oder ein Einzelunternehmen besser ist, hängt davon ab, wie Du die Umsätze und Dein Business managen willst. Das ist so umfangreich, hierzu werde ich einen gesonderten Artikel schreiben.

Hinzuverdienstgrenze

Diese betrifft Dich in der Festanstellung nicht. Solltest Du aber studieren, arbeitslos oder im Erziehungsurlaub sein, gibt es Umsatzgrenzen. Wenn Du mehr verdienst, wird dies von den Leistungen, die Du vom Staat erhältst, abgezogen.

Hier die monatlichen Grenzbeträge:

Studium: 400 Euro
ALG 1: 165 Euro
ALG 2: 100 Euro
Erziehungsurlaub: komplette Anrechnung auf das Elterngeld
Erwerbsunfähigkeitsrente: 400 Euro

Sind Deine Einnahmen höher als diese Beträge, wird die Leistung, die Du erhältst, um deine Einnahmen gekürzt und zwar voll und nicht die Differenz.

Es könnte losgehen

Jeder Weg braucht einen ersten Schritt. Ein Business zunächst als Nebengewerbe aufzubauen, gibt Dir auf jeden Fall mehr finanzielle Sicherheit. Und die erste Million ist bekanntlich die Schwierigste, danach flutscht es wie von selbst 😉

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht ins Dunkeln bringen. Wenn Du Fragen hast oder weitere Infos zum Thema möchtest, nutze am besten die Kommentarfunktion hierunter. Ansonsten hilft Dir dieser Artikel ggf. auch noch weiter (ab 3. Punkt ff.).

selbstständig frei sein

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3 Kommentare

  1. Sehr übersichtlich geschriebener Artikel. Gerade das Steuer Thema finde ich als Gründer sehr verwirrend, da hilft mir dieser Text echt weiter. Ich glaube das kann einigen eine große Hilfe sein.
    Danke!
    LG
    Thomas

  2. Hallo,
    Ich finde dein Betrag super verständlich, viel besser erklärt als dass trockene Studium. Schöne Beispielrechnung, da wird man ja zu Gewerbe motiviert.

    Gruß Ahmed

  3. Sehr schöner informativer Artikel auch für den Laien gut verständlich und nachvollziehbar.
    Die Selbstständigkeit ist gerade in Deutschland eine halbwegs komplexe Angelegenheit, wenn es beim Amt in den Unterlagen mal genauso einfach erklärt wäre wie in diesem Artikel hätte sich so manch einer viel Zeit gespart…

    Danke (Daumen hoch)

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