Ich freue mich sehr, heute den ersten Gastbeitrag auf Happy Work Life veröffentlichen zu können. Doreen ist selbstständige Journalisten, betreibt einen erfolgreichen Blog samt Ratgeber und ist auch vierfache Mutter. Sie arbeitet im Home Office und erzählt uns jetzt, wie sie sich strukturiert, motiviert und ihr Business managed. Ich finde den Austausch unter Selbstständigen immer sehr wertvoll. Mitzubekommen, wie es Andere händeln, vor welchen Herausforderungen sie stehen und wie sie diese meistern. Daher freue ich mich, dass Doreen uns einen Einbklick in ihre Welt gibt. Los geht’s:

Mein Schreibtisch ist ein braunes Designersofa. Mein Büro sind meine eigenen vier Wände. Was nach gemütlichem Arbeiten klingt, braucht jedoch viel Selbstdisziplin, Organisationstalent und buchstäbliche Betriebsblindheit gegenüber Staubflocken, quengelnden Kindern und klingelnden Postboten. Hier kommen Erfahrungen und Bekenntnisse einer Freien Online-Journalistin und 4fach-Mutter aus dem Home-Office.

Zunächst mal zu den Grundmauern meines beruflichen Seins: Ich wohne mit Mann, vier Kindern und Katze mitten in Hamburg in einer 67 Quadratmeter großen Drei- wie Zweizimmerwohnung. Zum Schreiben sitze ich in der Ecke unseres L-förmigen Lounchsofas. Füße hoch bei der Arbeit? Habe ich so immer. Mein Laptop steht auf meinen Knien, Telefon (Festnetz), Smartphone und iPad liegen in Reichweite neben mir. Ich muss mich für den Gang zur Arbeitsstelle nicht umziehen, kämmen oder schminken. Ich könnte theoretisch sogar im Bett arbeiten, wenn ich wollte. Mach ich aber nur, wenn ich wirklich bettlägerig krank bin. Ansonsten sehe ich immer vorzeigbar (wegen der Postboten) und mein ganz gewöhnlicher Tag in etwa so aus:

  • 6:30 Uhr aufwachen, Smartphone greifen, Mails checken, Facebook besuchen
  • 6:45 Uhr aufstehen, Schulkinder wecken (immer mit Baby auf dem Arm)
  • bis 7:30 Uhr frühmorgendliches Chaos in gelungen Start in den Schultag zaubern (immer mit Baby auf dem Arm)
  • 7:30 Uhr bis 8 Uhr: Badezimmerzeit für mich und das Baby
  • 8 bis 9 Uhr Haushalt managen & Mittagessen vorbereiten (mit Baby in der Rückentrage)
    ab hier: Baby immer um mich herum oder einmal pro Tag schlafenderweise neben mir
  • spätestens 9 Uhr: Laptop starten, E-Mails beantworten, Nachrichten lesen
  • 9:30 bis 12:30 Uhr: schreiben, mindestens ein Auftragsartikel pro Tag, werktags wie wochenendtags, häufig: Interviews führen
  • 12:30 bis 13:20 Uhr: Mittagessen vorbereiten
  • 13:20 Uhr bis 13:30 Uhr: 3 Schulkinder in Empfang nehmen, psychologische Tiefenbetreuung inbegriffen
  • 13:30 Uhr bis 13:50 Uhr: gemeinsames Mittagessen mit Informationsaustausch
    bis 14 Uhr Küche aufräumen
  • 14 Uhr bis 15 Uhr: E-Mails lesen und beantworten, Buchhaltung usw. parallel: Hausaufgabenbetreuung der Schulkinder
  • 15 bis 18 Uhr: Nachmittagsprogramm von vier Kindern managen, inklusive Zwischenmahlzeiten, Arztterminen, Bring- und Abholservice u.a. parallel: schreiben, recherchieren, telefonieren (häufig: Interviews)
  • spätestens 18:30 Uhr: Abendbrot vorbereiten, Abendessen
  • bis 20 Uhr: vier Kinder fürs Bett vorbereiten, fertigmachen, zu Bett bringen
  • ab 20 Uhr: Beginn der Stillnacht im Mutter-Kind-Co-Sleeping-Bett parallel: E-Mails lesen, beantworten, eigenes Blog managen, mit Freundinnen chatten
  • 22 Uhr bis 6:30 Uhr: Stillnacht = in Häppchen á 3 Stunden oder weniger schlafen

Das Betreuen eines Stillkindes im Modus (Stillen nach Bedarf) macht es erforderlich, dass das Kind noch immer sehr nah um mich herum zu Gange ist. Ich schreibe derzeit also nie allein. Und kaum einen Satz am Stück. Aber das funktioniert. Dank Home-Office. Denn hier kann ich mit dem Kind am Stillbusen hängend wunderbar einhändig schreiben und dabei sogar noch telefonieren. Keiner sieht’s.

Ohne Internet nix los, sprich: kein Moos!

Die großartige Technik – ein Hoch aufs Internet! – macht mir das Leben und Arbeiten, so, wie ich‘s derzeit praktiziere, möglich. Ich akquiriere, recherchiere, schreibe und veröffentliche online. Großteils. Einige meiner Texte kommen auch auf Papier heraus. Aber: Ohne das Internet gäbe es meine Selbständigkeit nicht.

Ohne Selbstdisziplin keine Selbstständigkeit!

Doch das ist nur die eine Seite meines bisher erfolgreichen selbst und ständigen Arbeitens. Die andere Seite ist meine persönliche Arbeitseinstellung. Sollte ich sie beschreiben, würde ich Attribute diszipliniert, zuverlässig und pünktlich nennen. Aber auch perfektionistisch und selbstaufopfernd – beides nicht unbedingt gesunde Attribute. Doch dazu gleich mehr. Zunächst zur Disziplin, die ich Tag für Tag aufbringen muss, um meinen Hintern zu einer Zeit, die nicht meine Aufstehzeit ist, aus dem Bett zu schwingen und den herrlichen Tag zu begrüßen, jeden Morgen aufs Neue.

Der Druck, dass ich meine Hälfte zum Familieneinkommen beitragen muss, hilft natürlich beim Aufstehen und Machen. Wie gut, dass ich nicht an Aufschieberitis leide. Sonst würde mein organisiertes Pensum von Arbeit und Familienleben nicht zu erfüllen sein. Das Immer-sofort-Erledigen ist schwer. Es schmerzt mitunter. Doch ich halte am selbstgewählten Schicksal fest, weil ich sehe, dass mir der Stress lange nicht so weh tut, wie einst der in Redakteursanstellung im Großverlag. Als selbiger angesichts meiner nach der Elternzeit gewünschten Wiederkehr in meinen Job verkündete, ich sei ihm als Redakteurin mit Kind nicht mehr flexibel genug, erschein mir die Selbständigkeit wie ein dunkles schwarzes Loch ohne Boden. Heute, nach zehn Jahren selbständigen Journalismus, vor allem: Online-Journalismus, weiß ich, dass ich mich in dem Loch über Wasser halten kann. Nicht auf einer Luxusyacht – aber schwimmend. Selbst und ständig schwimmend. Wobei schwimmen mit sich bewegen, sich vermarkten, sich anbieten, sich verkaufen gleichzusetzen ist. Für einen preis, mit dem ich mich und meine Arbeit wertschätze und – da er bezahlt wird von den Auftraggebern – wertschätzen lasse. Den Preis bestimme ich inzwischen. Das tut gut.

Dank Internet und meinem Beruf Journalismus, der sich dort prima ausüben lässt, kann ich meinen Traum von Familie leben.

Natürlich ist es schwer, mit Kindern um einen herum, kleinen Kindern wohlgemerkt, zu arbeiten. Kinder sind laut, ungestüm und rücksichtslos. Sie sind egoistische Kröten. Mit Recht. Das ist gut so! Wenn sie mich nicht immer gerade dann am lebenswichtig Dringendsten bräuchten, wenn ich gerade einen österreichisch nuschelnden Oberarzt zu einem komplizierten medizinischen Verfahren interviewen muss, den ich schon ohne Kinderkrach kaum verstehe. Wer Kinder hat, weiß, wovon ich schreibe.

Doch auch Kinder können lernen, so sie denn gelehrt werden, dass die Mutter gerade NICHT mit Oma quatscht, sondern mit einem Interviewpartner. Zum Beispiel merken Sie das daran, dass ich sie nicht ansehe, auch wenn sie noch so vor meinen Augen hampeln. Oder daran, dass ich mir eine bestimmte Mütze aufsetze. Sie bedeutet: Mutter bei der Arbeit. Bitte nicht stören! Klappt nicht immer. Aber manchmal eben doch.

Mich selbst diszipliniere ich am besten, indem ich mich eben nicht im Pyjama zu meiner Sofaecke begebe, um zu arbeiten, sondern halbwegs im Businesslook. Zumindest im einigermaßen Präsentationsmodus. Denn: Skype beispielsweise sieht mit! Und wie würden meine Kollegen gucken, wenn ich bei der virtuellen Redaktionskonferenz aussähe wie gerade aufgestanden!

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1 Kommentar

  1. Super, super, super , Doreen ! Deine Leistung ist echt Spitze !
    Ich hatte dir vorgestern schon eine mail geschckt, mit der Empfehlung dich mit Juliane Chakrabarti (profil im Internet)
    Kurzzuschliessen, auch wegen der Wohnung ! Das waere sicher einen Versuch wert .
    Wenn du mir schreiben moechtest, bitte ich dich, die mail direkt an meine Email Adresse zu schicken. Danke.
    Alles liebe fuer dich und deine Truppe wuenscht dir
    U. Ghosh

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